Ruhrgebiet

[M] Ortseingangsschild an der Autobahn 42 Abfahrt HErne-Eickel (früher: Wanne-Eickel) 1975 bis 2006
© Achim Hohlfeld.

Polyzentrische Metropolregion mit 52 Städten und 5,2 Millionen Einwohnern. Einer davon in einer davon war ich von 2003 bis 2018. Besonders unter touristischen Gesichtspunkten gab es viel zu sehen und zu erleben. Sagte man dort anfangs noch "wir haben auch schöne Ecken hier", hieß es fünfzehn Jahre später schon: "Wir haben auch viele schöne Ecken hier". Nur die kommunale Neugliederung aus dem Jahr 1975 wurde vielfach nicht begrüßt. Aber das ist ein anderes Thema.

Emscherniederung · 360°-Panorama · Akademie Mont-Cenis · Dezember 2013

Bochum · Anneliese Brost Musikforum

Lange hatte es gedauert, bis sich der Rat der Stadt für den Bau eines städtischen Konzerthauses in Bochum erwärmen und diesen schließlich beschließen konnte. Ohne zahlreiches und vielfältiges bürgerliches Engagement und ohne eine Bürgschaft der ortsansässsigen GLS Gemeinschaftsbank eG wäre daraus wohl nichts geworden. Was dann letztlich daraus geworden ist, ist "die Wucht in Tüten" – Deutschlands wahrscheinlich bester (und preiswertester) Konzertsaalneubau des 21. Jahrhunderts, der den Bochumer Symphonikern (BoSy), den Ensembles der städtischen Musikschule und der Bochumer Amateurmusik endlich ein Zuhause und eine angemessene Spielstätte gibt.

Am 9. Dezember 2016, wenige Wochen nach der Eröffnung, bot die GLS Bank eine Führung für ihre Mitglieder an.

Anneliese Brost Musikforum Ruhr in Bochum an und in der Marienkirche

Bochum · Jahrhunderthalle & Westpark

Strukturwandel kann so aussehen. Aus einer unwirtlichen Industrielandschaft und -architektur wird ein Kulturbau mit Strahlkraft und ein bel(i)ebter Landschaftspark. Geld wird hier allerdings nicht mehr verdient, schließlich ist dem Ruhrgebiet vor einiger Zeit die Kohle ausgegangen.

Bochum · Jahrhunderthalle · 1. August 2016

Bochum · Kemnader Stausee

Zwischen Bochum und Hattingen wird die Ruhr gestaut und ergibt einen prächtigen See zur Naherholung bei einer etwa zweistündigen Umrundwanderung. Ein paar wegweisende Entscheidung habe ich auf solchen meditativen Wanderungen getroffen ... Vielleicht auch im Februar 2017? Zur Stimmung am See hätte es gepasst.

Kemnader Stausee · Februar 2017

Bochum · Geologischer Garten

Es gibt Zoologische Gärten, Botanische Gärten, Theologische Gärten (?) und Geologische Gärten! In Letzteren kann man Steine gucken. Zum Beispiel hier (wo vor 300 Millionen Jahren Meer war).

Bochum · Geologischer Garten · Juni 2012

Duisburg · Landschaftspark Nord

"Landschaftspark" - darunter stellt man sich alles Mögliche vor, nur eben kein "Hüttenwerk". Und ein Hüttenwerk baut auch keine Hütten, sondern produziert Stahl. Sehr viel Stahl. Mit sehr viel Kohle. Und sehr viel Dreck. Im Duisburger Norden wurde aus einem ehemaligen Hüttenwerk vor vielen Jahren der "Landschaftpark Nord", im Volksmund auch "LaPaDu" (= Landschafts-Park Duisburg") genannt. Seit der Stilllegung (schreibt man ja heute mit drei "l") erobert sich die Natur das Gelände zurück, die Alte Emscher plätschert wieder idyllisch durch die Industrie-Kultur-Landschaft und bei schönem Wetter erscheint auch der Mensch. Besonders zahlreich, wenn es dazu noch ein "Street Food Festival" zu besuchen gibt. Die Weitläufigkeit des Geländes und die Geduld des Fotografen kann aber die gefühlte Million Tagesbesucher zum Verschwinden bringen bzw. auf das für die Illustration der Größenverhältnisse notwendige Maß reduzieren. Und so war es ein ganz bezaubernder Erster Oktober im Jahr 2017 ... aber sehen Sie meinen Rundgang "im Uhrzeigersinn" selbst:

Landschaftpark Duisburg Nord · Blick vom Hochofen · 1. Oktober 2017

Duisburg · Tiger & Turtle – Magic Mountain

In Duisburg, im sogenannten "Angerpark", gibt es die weltweit einzige Achterbahn für Fußgänger! Mit atemberaubenden Wegeführungen und Ausblicken über die niederrheinische Kultur- und Industrielandschaft.

Duisburg · Tiger & Turtle – Magic Mountain · August 2012

Essen · Zeche Zollverein

Strukturwandel kann auch so aussehen. Wo einst 400 Menschen lebten (Essen-Katernberg), waren es plötzlich 40.000, denen die Zeche und Kokerei Zollverein Lohn und Brot gaben. Bis 1986. Allerdings vergaß man den Abriss der Industrieruinen, sodass sich ein paar Jahre später ein "Weltkulturerbe" und ein kulturelles Zentrum inmitten musealer Relikte entwickeln konnte. "Kohle" spielt aber immer noch eine Rolle. Oft war ich dort - zum Wandern, Radfahren oder Kulturgenuss.

Bahn-Haltepunkt "Essen Zollverein Nord" (vormals Essen-Katernberg)

Gelsenkirchen · Zeche Nordstern

Strukturwandel kann auch so aussehen. Bundesgartenschau, Finale der Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010, Firmensitz und neuerdings Aussichttsturm: Zeche Nordstern & Park. Das Ruhrgebiet konnte man bis Ende des 20. Jahrhunderts nicht von oben sehen. Erst gab es keine Berge, dann versperrte dreckige Luft die Sicht, und als sich Willy Brandts Vision "Der Himmel über der Ruhr muss wieder blau werden!" erfüllt hatte, durfte man die Berge noch nicht betreten und mit den stillgelegten Zechen wusste man zunächst nichts anzufangen. Das hat man zum Glück geändert, und einer hat nun immer beste Aussichten (auch wenn der Blick von Gelsenkirchen Richtung Dortmund geht ...).

Gelsenkirchen · Zeche Nordstern · Sommer 2012

Herne · Akademie Mont-Cenis

Strukturwandel kann allerdings auch so aussehen. Wo über hundert Jahre lang unter dem "Mont Cenis" Kohle gefördert wurde, fördert die nordrhein-westfälische Landesregierung seit Beginn des 21. Jahrhunderts die Fortbildung ihrer Beschäftigten und die Entwicklung des Herner Stadtteils Sodingen.

Herne · Akademie Mont-Cenis · Oktober 2007

Herner Meer und mehr am Rhein-Herne-Kanal

Mit der Bezeichnung "Herner Meer" denkt sich der Herner seinen Stichkanal-Hafen bei "Friedrich der Große" schön. Und manchmal sieht es wirklich so aus.

Herner Meer und mehr am Rhein-Herne-Kanal

Herne/Castrop-Rauxel: Teutoburgia & ERIN

Nachdem ich zehn Jahre mit Blick auf den einzig verbliebenen Herner Förderturm (nein, nicht dieser, der andere) gewohnt hatte, musste ich ihn natürlich auch mal fotografieren. Und seinen großen Bruder in der heutigen Nachbarstadt natürlich auch.

Castrop-Rauxel · ERIN

Herten · Horizontobservatorium auf der Halde Hoheward

Strukturwandel kann sogar aussehen. Was unter Tage gefördert wurde und über Tage nicht weiterverarbeitet werden konnte, wurde zu Bergehalden aufgeschüttet. Irgendwann gab es nichts mehr draufzuschütten, dann wurde das ganze Gebilde aufgehübscht und sicher begehbar gemacht. Schließlich kommt noch eine Landmarke obendrauf. Das kann ein Windrad sein, eine überdimensionierte Grubenleuchte, ein Steinhaufen, ein Tetraeder – oder eben ein Horiziontobservatorium, wie hier. Die Verbindung zur ehemaligen Zeche Recklinghausen II stellt die Drachenbrücke her (allerdings ohne die ursprünglich vorgesehene nächtliche Befeuerung).

Und da jahrhundertlang das Ruhrgebiet nicht "von oben" bestaunt werden konnte, haben die Menschen einiges nachzuholen und die ehemaligen Bergehalden zu beliebten Ausflugszielen gemacht.

Herten · Halde Hoheward · 1. Januar 2014

Waltrop · Altes Schiffshebewerk

Waltrop kennen viele durch die gleichnamige Zeche, in der die Es gibt sie noch, die guten Dinge-Firma Manufactum ihre Verwaltung und eine Verkaufsstelle eingerichtet hat. Am anderen Ende der kleinen nordöstlichen Ruhrgebietsstadt, da, wo sie auf Datteln und Castrop-Rauxel stößt, steht das Alte Schiffshebewerk.

Schiff(f)ahrt spielte im Ruhrgebiet von Anbeginn der Industrialisierung eine große Rolle. Mangels schiffbarer Flüsse wurden im nördlichen und östlichen Ruhrgebiet Schiff(f)ahrtskanäle parallel zur Emscher (Rhein-Herne-Kanal) und zur Lippe (Wesel-Datteln-Kanal) gebaut sowie der Dortmund-Ems-Kanal ("DEK") Richtung Münster und darüber hinaus. Sie alle treffen sich in Datteln an Europas größter Kanalkreuzung. Um auch den (früher mehr, heute weniger) bedeutenden Dortmunder Hafen an diese Kanäle anzuschließen, musste bei Datteln ein Höhenunterscheid von etwa vierzehn Metern überwunden werden. Traditionelle Schleusen jedoch führen bei jedem Schleusengang talwärts zu hohem Wasserverlust, der in dem Dortmunder Abschnitt des DEK nicht verkraftbar war, weil ein natürlicher Zulauf fehlte. Also ersannen Ingenieure eine Schiffshebewerk – eine Badewanne für Schiffe, auf schwimmenden Pontons, in die nur vier Zentimeter (Höhenunterschied) Wasser hineinzupumpen waren, um talwärts zu fahren, oder vier Zentimeter Wasser herauszulassen waren, um bergwärts zu fahren. Ein Aufzug für Schiffe, betrieben allein mit den Gesetzen der Schwerkraft.

Henrichenburg/Waltrop · Altes Schiffshebewerk

Das (alte) Hebewerk wurde für modernere Schiffe bald zu klein und zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch eine Wassersparschleuse ergänzt (dabei wird das Wasser aus der Schleusenkammer bei der Talfahrt seitlich aufgefangen und kann für die nächste Bergfahrt wieder zurückgepumpt werden). Die Wassersparschleuse habe ich als Kind noch in Betrieb gesehen. Später wurde ein (neues) Hebewerk gebaut (das ich als Kind bei einem Schulausflug sogar bedienen dufte), und das alte stillgelegt, worauf hin es in einen Dornröschenschlaf versank und vergessen wurde. Die alte Wassersparschleuse nahm man eines Tages auch außer Betrieb (heute kann man in einem Teil der Wassersparbecken das Auto parken und durch die Schleusenkammer hindurchgehen), weil zwischenzeitlich eine neue gebaut worden war. So zählt der Waltroper Schleusenpark eigentlich vier Bauwerke zur Anbindung des DEK an den Dortmunder Hafen. In Betrieb ist aber nur noch die neue Schleuse. Alle anderen sind kaputt oder stillgelegt. Das Alte Hebwerk hat man irgendwann wiedergefunden und zu einem höchstinteressanten Museum gemacht, aber leider nicht mehr betriebsbereit.